• Fr. Dez 2nd, 2022

Übernahme-Aus der Börse FTX führt zu Beben am Kryptomarkt

Verwirrung am Markt für Digitalgeld: Krypto-Riese Binance will FTX nun doch nicht übernehmen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Zentralbild/dpa)

Die geplatzte Übernahme der angeschlagenen Kryptobörse FTX.com durch den Konkurrenten Binance hat den gesamten Markt für Digitalgeld erschüttert. Nachdem Binance am Mittwoch die ins Auge gefasste Rettungsaktion abgesagt hatte, rutschte der Bitcoin auf ein Zwei-Jahrestief unter 16.000 Dollar. Seit dem Allzeithoch im November 2021, als die marktgrößte und älteste sogenannte Kryptowährung noch knapp über 68.000 Dollar notierte, verlor sie über drei Viertel ihres Werts.

Am Donnerstag erholte sich der Markt für Kryptowährungen von neuerlichen Turbulenzen zunächst ein wenig. Am Nachmittag kostete ein Bitcoin rund 16.500 US-Dollar.

Die Hiobsbotschaft für FTX hatte Binance am Mittwoch auf Twitter verkündet: «Wir haben entschieden, dass wir die potenzielle Akquisition nicht weiter verfolgen werden.» Binance ist der weltgrößte Handelsplatz für Digitalwährungen wie Bitcoin. Grund seien unter anderem Medienberichte über Fehlverhalten im Umgang mit Kundengeldern und angebliche Ermittlungen von US-Behörden.

Nachdem FTX in Schieflage geriet, hatten die beiden Unternehmen zunächst am Dienstag verkündet, dass Binance den größten Teil des Geschäfts von FTX übernehmen wolle. Allerdings handelte es sich nur um eine unverbindliche Absichtserklärung, wie Binance-Chef Changpeng Zhao umgehend betonte. Nach Beginn der Buchprüfung nahm Binance rasch wieder Abstand von dem Übernahmeplan.

Zhao, der im Netz vor allem als «CZ» bekannt ist, spielt bei dem Hin und Her eine undurchsichtige Rolle. Am Sonntag hatte «CZ» selbst mit einem Tweet Zweifel an den Geldreserven von FTX verstärkt und die Kundenflucht dort befeuert. Die Liquiditätsnot von FTX wurde auch dadurch vestärkt, dass Binance angekündigt hatte, größere Bestände der FTX-eigenen Digitalwährung FTT abzustoßen.

Zhao und Bankman-Fried einst eng verbunden

Zhao und FTX-Chef Sam Bankman-Fried waren als Pioniere der Branche und Partner einst eng verbunden, entwickelten sich mit ihren Kryptobörsen dann aber zu Erzrivalen und überwarfen sich zuletzt wegen Regulierungsfragen. So schwang sich Bankman-Fried immer mehr zum Sprachrohr der Krypto-Szene auf und versuchte, Lobby-Einfluss bei Politik und Aufsehern zu nehmen, was Zhao nicht gefiel.

Bankman-Fried gehörte 2020 zu den Großspendern für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Joe Biden. Nun steht er vor den Trümmern seines FTX-Konzerns. Der 30-Jährige galt vor wenigen Monaten noch als Wunderkind und Hoffnungsträger der Kryptobranche, der finanzschwachen Firmen unter die Arme greift.

Wie es für die Kunden von FTX jetzt weitergeht, ist unklar. Bankman-Fried versicherte am Dienstag noch, dass alle Einlagen geschützt seien und voll ausgezahlt würden. Doch das scheint zunehmend ungewiss. Bankman-Fried hatte bis zur Eskalation der Lage auch noch behauptet, dass es keinen Grund zur Sorge gebe und Gerüchte über eine Geldnot als falsch zurückgewiesen.

Finanzierungslücke von vier Milliarden Dollar

Am Mittwoch informierte Bankman-Fried seine eigenen Anleger, die Geld in FTX gesteckt hatten, über eine Liquiditätslücke, kurz bevor die konkurrierende Börse Binance ein Übernahmeangebot abrupt zurückzog. Er sagte nach einem Bericht der Finanzagentur Bloomberg, FTX benötige vier Milliarden Dollar, um zahlungsfähig zu bleiben, und versuche, eine Rettungsfinanzierung in Form von Schulden, Eigenkapital oder einer Kombination aus beidem aufzutreiben.

«I fucked up» («Ich habe es vermasselt»), sagte Bankman-Fried laut Bloomberg den Anlegern in der Telefonkonferenz, wie Personen mit Kenntnis des Gesprächs berichten. Er sagte, er wäre «unglaublich, unglaublich dankbar», wenn Investoren helfen könnten.

Wo und wie ein Insolvenzverfahren von FTX ablaufen könnte, ist ebenfalls noch unklar. Das Unternehmen hat zwar eine Tochtergesellschaft in den USA, ist aber in Antigua und Barbuda eingetragen und hat seinen Hauptsitz auf den Bahamas.